Waldkatze
Waldkatze
Felis silvestris silvestris
Lange glaubte man, die Wildkatze sei in der Schweiz ausgestorben. 1993 stellten Wildbiologen im Waadtländer Jura Kastenfallen auf, um Luchse zu fangen. Nebst Luchsen und anderen Tieren wurden - zur grossen Überraschung - 14 Wildkatzen gefangen! Die Wildkatze hatte überlebt und niemand hat das gewusst!
Waldkatze

Verwandschaft

Die Wildkatze oder „Waldkatze“ ist neben dem Luchs der zweite einheimische Katzenvertreter Mitteleuropas. Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen!
Sie sind die einzigen Katzen, die sich niemals zähmen lassen.
Wildkatzen sind grösser und etwas schwerer als Hauskatzen. Das schwarze, stumpfe Ende des Schwanzes mit 3-4 deutlichen, schwarzen Ringen davor ist das wichtigste Erkennungsmerkmal im Feld.

Geschichte

Das gesamte kontinentale Europa war ursprünglich von der Wildkatze besiedelt. In grossen Teilen Europas wurde die Wildkatze verdrängt, verfolgt und ausgerottet. In der Schweiz besiedelte sie einst das gesamte Mittelland. Heute kommt sie nur noch im Jura vor, mit Tendenz zur weiteren Ausbreitung! Man schätzt, dass im Juragebiet der Schweiz auf 600 km2 450 bis 900 Wildkatzen leben.

Lebensraum

Die Wildkatze bewohnt grosse, zusammenhängende, reich strukturierte Laubmischwälder. Höhenlagen über 1000 m ü. M. bewohnt sie kaum. Eine zu lange liegende Schneedecke behindert die Fortbewegung und erschwert die Jagd auf Mäuse. Wildkatzen sind äusserst menschenscheu und meiden Siedlungen und intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen.
In hohlen Baumstämmen und unter umgestürzten Wurzeltellern finden Wildkatzen trockene, geschützte Ruheplätze. Die Katzen lieben ganz besonders mit Felsen durchsetzte, sonnige Waldpartien.

Benennung

Das männliche Tier heisst Kuder, das weibliche Kätzin, das Jungtier Kätzchen.

Lebensweise

Katzen sind Einzelgänger und standorttreu. Die Streifgebiete der Weibchen überlappen sich. Männchen ziehen weit umher und können in mehreren Weibchenterritorien unterwegs sein. Auf durchschnittlich 10 km2 leben 1 Männchen und 2-3 Weibchen.

Fortpflanzung

Die Ranzzeit erstreckt sich von Januar bis März. Die Kater suchen mehrere Weibchenterritorien auf. Der Geruchssinn der Wildkatze ist dem eines Hundes überlegen. Die Katzen finden sich aufgrund von Duftmarken, die sie auf Kopfhöhe an verschiedenen Geländemarken absetzen, z. B. an Pflanzen, Steinen, Ästen und Pfählen. Auf kürzere Distanz verständigen sie sich mit Rufen. Nach einer Tragzeit von 10 Wochen werden zwischen Ende März und Anfang Juni 3-4 Junge geboren. In den ersten vier Wochen wechselt die Kätzin mit ihren Jungen mehrmals das Versteck. Die Jungen werden etwa vier Monate lang gesäugt. Ab dem vierten Monat bringt die Mutter lebende Nahrung, die von den Jungtieren getötet wird. So lernen die Jungkatzen Reaktionsschnelligkeit beim Beutefang. Schon im Alter von fünfeinhalb Monaten sind Wildkatzen selbständig und verlassen im Herbst die Mutter. Auf der Suche nach einem eigenen Streifgebiet werden viele heranwachsende Katzen Opfer des Strassenverkehrs.

Ernährung

Katzen ernähren sich ausschliesslich von Fleisch. Nur ab und zu fressen sie ein paar Grashalme. Vor allem Wühlmäuse stehen auf ihrem Speisezettel. Gelegentlich kommen Vögel, Fische, Reptilien und Insekten dazu, im Winter manchmal Fallwild. Katzen sind mit scharfen Krallen und einem kräftigen Gebiss ausgestattet. Ihre hohe Intelligenz, ihre schnelle Reaktion und ihre Beweglichkeit machen die Wildkatze zu einer äusserst erfolgreichen Jägerin.

Geschlechtsmerkmale

Die Männchen wiegen 3,5-6,5 kg und sind rund ein Kilogramm schwerer als die Weibchen. Der Kopf des Männchens ist etwas massiger und breiter.

Spezielles

Mäusejäger
Wildkatzen jagen am häufigsten in der Dämmerung. Mäuse machen 90% der Nahrung aus. Im Magen einer erlegten Wildkatze aus dem Jura fanden sich 24 Mäuse mit einem Gesamtgewicht von 452 Gramm!

Tierstimme (Audio-Wiedergabe)

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